Kontaktieren Sie uns!

Gerne nehmen wir Ihre Fragen und Anregungen entgegen.
Messe München GmbH
Messegelände
81823 München
Tel.: +49 89 949-20720
Fax: +49 89 949-20729
E-Mail:

Wir tragen in besonderer Weise Verantwortung

Messechef Klaus Dittrich verrät im Interview, was wirklich zählt

Für Messechef Klaus Dittrich sind Werte für den unternehmerischen Erfolg absolut zentral.

Herr Dittrich, ein Unternehmen muss Profit machen. Warum braucht es neben dem Gewinnstreben noch andere Werte?
Klaus Dittrich:
Natürlich muss ein Unternehmen Gewinn erwirtschaften. Aber irgendwann müssen Sie auch mal innehalten und sich fragen, wofür dieses Unternehmen eigentlich steht. Werte schaffen einen verbindlichen Handlungsrahmen, der einem hilft, zwischen Richtig und Falsch zu unterscheiden. Wir haben unsere Werte deshalb auch nicht von oben oktroyiert, sondern sie gemeinsam mit allen Mitarbeitern erarbeitet. Werte können Sie nicht einfach vorgeben. Diese Werte müssen in die Herzen der Mitarbeiter.

Vertrauen, Teamgeist, Einsatzfreude, Verantwortung und Innovationskraft. So lauten die Werte, die Sie sich gegeben haben. Welcher Wert ist Ihnen persönlich der wichtigste?
Klaus Dittrich:
Verantwortung, ganz klar. Manche unserer Kunden investieren hier Millionen Euro für einen Messeauftritt von vier, fünf oder sechs Tagen. Wir müssen Verantwortung für unsere Kunden übernehmen, aber natürlich auch für unsere Gesellschafter, unsere Mitarbeiter und auch für die Gesellschaft als Ganzes.

Andere Unternehmen tragen sehr ähnliche Werte vor sich her. Etwa Integrität oder Verlässlichkeit. Wo bleibt das Besondere, wenn alle das gleiche Mantra der Wirtschaftsethik singen?
Klaus Dittrich:
Die Messe München ist nicht irgendein Unternehmen. Sie gehört dem Freistaat Bayern, der Landeshauptstadt München und den beiden Kammern. Das Unternehmen ist also quasi im Besitz der Bürger. Ich denke, wir tragen mit dieser Gesellschafterstruktur in ganz besonderer Weise Verantwortung. Unser nachhaltiges Geschäftsmodell hilft uns im Übrigen auch international. Bei der Akquise von Messen im Ausland haben wir schon mehrfach erlebt, dass unsere zum Teil börsennotierten Konkurrenten sehr viel mehr Geld auf den Tisch legen wollten. Wenn sich die Verkäufer trotzdem für uns entschieden haben, dann auch deshalb, weil wir als ein äußerst verlässlicher und vertrauenswürdiger Partner wahrgenommen werden. Das zeigt, Werte haben auch einen echten wirtschaftlichen Effekt.

Den Wirtschaftsstandort stärken und das Gemeinwohl steigern, das ist neben Ihren Werten die übergeordnete Herausforderung, der Sie sich stellen wollen. Welche Bilanz ziehen Sie?
Klaus Dittrich:
Wir haben durch das Ifo-Institut ermitteln lassen, welcher Effekt durch die Aktivitäten der Messe München entsteht. Denn von Messen und Kongressen profitieren ja auch das Hotelgewerbe, die Gastronomie, die Taxifahrer und der Einzelhandel im Umfeld. In Summe sind das rund 2,6 Milliarden Euro im Jahr, in einem Bauma-Jahr sogar 3,6 Milliarden Euro. Das heißt, jeder Euro Umsatz, den wir erwirtschaften, bringt für die Region noch einmal bis zu zehn zusätzliche Euro. Insofern ist die Messe mit ihren 750 Mitarbeitern ein sehr stattlicher Wirtschaftsfaktor.

Gemeinwohl: Messechef Klaus Dittrich sieht die Verantwortung des Unternehmens nicht nur in der Region, sondern auch auf internationaler Ebene.

Und Ihre eigenen Zahlen?
Klaus Dittrich:
Wir haben 2016 zum ersten Mal mehr als 400 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet, konkret 428 Millionen. Ein absolutes Rekordjahr. Zum siebten Mal in Folge schreiben wir damit schwarze Zahlen und sind unabhängig von Zuschüssen unserer Gesellschafter. Im Rahmen unserer Strategie 2021 haben wir uns jetzt vorgenommen, in den nächsten fünf Jahren einen durchschnittlichen Umsatz von 420 Millionen Euro pro Jahr zu erwirtschaften. An unserem Heimatstandort, aber auch international, wo wir aktuell die größten Wachstumschancen sehen.

Damit erweitert sich der Radius Ihrer Verantwortung. Wie können Sie dem gerecht werden? In China? Der Türkei? Oder in Indien?
Klaus Dittrich:
Die politischen Rahmenbedingungen in diesen Ländern können wir nicht ändern. Aber wir können durch unsere Messen Einfluss nehmen. Zum Beispiel durch die Ifat, die größte Umweltmesse der Welt, die wir in China jetzt schon an zwei Standorten überaus erfolgreich ausrichten. In Shanghai und im 1.500 Kilometer südlich gelegenen Guangzhou nahe Hongkong. Damit leisten wir einen Beitrag zur Verbesserung der Umweltsituation in Fernost.

„Wir sind eines der grünsten Messegelände der Welt.“

Und in München? Welchen Beitrag leisten Sie hier für Nachhaltigkeit?
Klaus Dittrich:
Schon bei der Planung und dem Bau der neuen Messe Mitte der 90er-Jahre war das erklärte Ziel, ein Gelände zu bauen, das der Nachhaltigkeit in allen Aspekten verpflichtet ist. Mit mehr als 2.500 Bäumen und 70.000 Sträuchern sind wir heute eines der grünsten Messegelände der Welt. Wir nutzen Photovoltaik und Geothermie. Und wir werden auch in unseren neuen Hallen C5 und C6 das Regenwasser in unterirdischen Rigolen sammeln, um die Kanalisation weiter zu entlasten.

Das ist der ökologische Aspekt. Und der gesellschaftliche? Das Gemeinwohl?
Klaus Dittrich:
Wir haben in unserem Unternehmen aktuell einen Frauenanteil von weit über 60 Prozent. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf spielt für uns eine sehr große Rolle. Auch in einer späteren Lebensphase, etwa wenn die Eltern zum Pflegefall werden. Auch das gehört für uns zu der Verantwortung, die wir übernehmen wollen. Als vor zwei Jahren hier in München täglich Zehntausende von Flüchtlingen ankamen, haben wir innerhalb weniger Stunden unsere Hallen zur Verfügung gestellt, damit diese Menschen erst einmal ein Dach über dem Kopf hatten. Wir haben übrigens drei Flüchtlinge eingestellt, die bei uns jetzt sehr erfolgreich eine Berufsausbildung absolvieren.

Gerade jungen Menschen sagt man nach, dass sie ihren Arbeitgeber nicht nur nach finanziellen Aspekten auswählen. Wie wichtig sind Unternehmenswerte für das Recruiting?
Klaus Dittrich:
Das Geld muss stimmen. Aber Geld ist eben auch nicht alles. Es gibt mehrere Fälle, wo Mitarbeiter auf Einkommen verzichtet haben, als sie zu uns kamen, nur weil sie von der Aufgabe bei der Messe München begeistert waren. In den Gesprächen, die ich mit jungen Leuten führe, erlebe ich, dass es ihnen äußerst wichtig ist, bei einem Unternehmen zu arbeiten, das wirklich zu ihnen passt. Umgekehrt gilt das natürlich auch. Wir suchen unsere Leute verstärkt danach aus, wer zu uns passt. Es gibt ja dieses geflügelte Wort von Jack Welsh, dem legendären Ex-Chef von General Electric. We hire people because of their skills and we fire them because of their personality. Ich glaube, da ist etwas Wahres dran.

„Der Verstoß gegen Werte, die man sich selbst gibt, kann einen immensen wirtschaftlichen Schaden nach sich ziehen.“

Im Geschäftsbericht eines sehr großen Automobilkonzerns steht: Wir verstehen gesellschaftliche Verantwortung als die Fähigkeit, unser Geschäft mit den langfristigen Zielen der Weltgesellschaft in Einklang zu bringen. Nach dem Diesel-Skandal klingen diese Worte etwas schal ...
Klaus Dittrich:
... in der Tat. Aber ich bin davon überzeugt, dass dieses Beispiel vielen Leuten eine sehr große Lehre sein wird. Der Verstoß gegen Werte, die man sich selbst gibt, kann einen immensen wirtschaftlichen Schaden nach sich ziehen.

Das klingt nach dem alten Sprichwort Aus Schaden wird man klug.
Klaus Dittrich:
Ja, es geht auch um etwas Altes, sogar etwas sehr Traditionelles. Im Grunde genommen, geht es bei der ganzen Diskussion um die Moral des ehrbaren Kaufmanns. So wie sie Immanuel Kant mit seinem Kategorischen Imperativ einst unübertroffen formuliert hat. Populär ausgedrückt: Handle so, wie auch du behandelt werden willst. Das ist ein sehr guter Leitsatz. Den versuchen wir, bei der Messe München zu erfüllen. Jeden Tag aufs Neue.