Kontaktieren Sie uns!

Gerne nehmen wir Ihre Fragen und Anregungen entgegen.
Messe München GmbH
Messegelände
81823 München
Tel.: +49 89 949-20720
Fax: +49 89 949-20729
E-Mail:

Adel unter sich

Roland Berger und Prinz Luitpold im Interview

Es gibt diese wunderbare Filmszene mit Leonardo DiCaprio. Er steht auf dem Bug der Titanic, in Gedanken das ersehnte New York vor Augen, und ruft über die Wellen des Ozeans: „Ich bin der König der Welt.“ Herr Professor Berger, wann haben Sie sich das letzte Mal wie ein König gefühlt?
Roland Berger:
Das passiert mir eher selten. Wenn überhaupt, dann eher auf Reisen. Etwa auf der Großen Mauer in China. Das war für mich ein sehr spezielles Erlebnis, vor allem, weil ich relativ privilegiert begleitet wurde und den Augenblick nicht mit Touristen teilen musste. Oder auf dem Shanghai Tower, damals der höchste Wolkenkratzer der Welt, den mir der Bürgermeister von Pudong zeigte. Von dort oben auf die Stadt zu schauen ist schon sehr erhebend.

Und Sie Prinz Luitpold? Wir vermuten, aufgrund Ihrer Herkunft fühlt man sich jeden Tag ein bisschen wie ein König, oder?
Prinz Luitpold:
Überhaupt nicht. Wie fühlt sich ein König denn überhaupt? Ich glaube, die Leute haben davon eine völlig falsche Vorstellung. Wir müssen uns die meisten Könige eher gequält vorstellen. Ständig den ganzen Hofstaat um sich herum, der ihnen kaum persönlichen Bewegungsspielraum zugestand. Bei Ludwig II. war das vielleicht anders. Der hat sich von allem frei gemacht, aber mit der Schwierigkeit, dass ihn die Leute irgendwann nicht mehr verstanden haben. Ein König, der nahe am Volk regierte, hatte ein eher schweres Leben.
Roland Berger: Da stimme ich zu. Das war bestimmt nicht anders als heute bei so manchem Vorstandschef. Sie sind rund um die Uhr von Leuten umgeben, haben einen durchgetakteten Zeitplan, sieben Tage die Woche, im Grunde genommen eine 24-Stunden-Bereitschaft. In diesem engen Korsett kann man sich kaum noch frei bewegen.

Salongespräch im Bayerischen Hof
Roland Berger, Stefan Schmortte, Ingo Wilhelm und Prinz Luitpold (von links im Uhrzeigersinn).

Trotzdem, Prinz Luitpold, wie wächst man als Urenkel von Ludwig III., Bayerns letztem regierenden König, als Kind auf? Mussten Sie in Schloss Leutstetten mithelfen? Den Tisch decken, die Spülmaschine ausräumen oder dergleichen?
Prinz Luitpold:
Als ich klein war, im Schloss Leutstetten, also noch zu Lebzeiten von Kronprinz Rupprecht, gab es schon einen gewissen Hofstaat. Mit Hofmarschall, Chauffeur, Haushofmeister und einer Küche mit fünf oder sechs Mitarbeitern. Aber später, nach dem Tod meines Großvaters, lebten wir in einem ganz normalen Haushalt. Ein Zimmer für meine Eltern und eines für mich. Das war’s. Natürlich musste ich da mithelfen. Und das war auch gar kein Problem. Schwieriger war es in der Schule.

Inwiefern?
Prinz Luitpold:
Da bekommt man mit einem Namen, wie ich ihn trage, erst mal Gegenwind. Auf der Grundschule in Kaltenberg, damals die modernste in Bayern, hat uns mal der Kultusminister besucht. Wir wurden einzeln vorgestellt. Er fragte mich nach meinem Namen. Ich sagte: Luitpold. Und auf seine erneute Nachfrage noch einmal, Luitpold. Darauf er: Der blöde Kerl weiß ja noch nicht mal seinen Nachnamen. Aber was hätte ich denn auch sagen sollen? Prinz von Bayern? Mit dem Nachnamen ist es etwas schwierig in Familien wie der meinen.

Herr Professor Berger, welchen Spitznamen trugen Sie in der Schulzeit?
Roland Berger:
Es gab mal ein paar, die es mit Rolli versucht haben, aber das ging relativ schnell unter. Mein Name eignet sich offenbar nicht für einen Spitznamen.

Sie haben zu Studienzeiten Ihr erstes Business gegründet. Eine Wäscherei, die Sie zum Ende Ihres Studiums für 600.000 Mark verkauft haben. Also quasi vom Hemdenwäscher zum Beinahe-Millionär. Kann das heute noch jeder schaffen?
Roland Berger:
Die Möglichkeiten sind heute noch größer als damals, allein schon wegen der Digitalisierung. Es gibt momentan ein enormes Potenzial an unternehmerischen Chancen, so viele wie wohl noch nie. Im Übrigen: Für die Schulden, die ich für die Wäscherei machen musste, hat meine Mutter unterschrieben. Hätte das Geschäft nicht funktioniert, wäre unsere Familie pleite gewesen.

Unternehmensberater Roland Berger und Prinz Luitpold von Bayern amüsierten sich königlich (Foto: Robert Brembeck)

Prinz Luitpold, Sie sind der Unternehmer im Hause Wittelsbach …
Prinz Luitpold:
... nur ein sehr kleiner Unternehmer ...
… aber immerhin Chef der Porzellanmanufaktur Nymphenburg und Inhaber der König Ludwig Schlossbrauerei Kaltenberg. Wie sehen Sie das? Hat in Deutschland heute jeder die gleichen Chancen?
Prinz Luitpold:
Unter Juristen wird der Gleichheitssatz so beschrieben: Jeder ist in seiner Ungleichheit gleich. Ich will damit sagen: Eigentlich hat jeder große Chancen, heute vielleicht sogar mehr als jemals zuvor. Aber es ist nun mal so, dass nicht jeder Mensch die gleichen Talente besitzt.
Roland Berger: Und leider auch nicht die gleichen Chancen. Jede OECD- und jede Pisa-Studie bestätigen uns, dass in keinem Land der Welt die Zukunft von Kindern so stark durch ihre soziale Herkunft bestimmt wird wie hier in Deutschland. In meiner Stiftung fördern wir deshalb begabte und leistungswillige Kinder, die aufgrund ihres Elternhauses benachteiligt sind. Diese Kinder leiden oft sehr unter den schwierigen Verhältnissen. Wenn ein solches Kind es dann trotzdem schafft, ist das großartig. Diese Kinder fühlen sich zum ersten Mal richtig ernst genommen, wenn die Stiftung sie entsprechend fördert. Wir haben deutschlandweit derzeit rund 700 Stipendiaten. 300 haben schon ihr Abitur gemacht, und zwar mit einer Durchschnittsnote von 1,6. Ich glaube, der deutsche Mittelwert lag voriges Jahr bei 2,6.

Weil Ihnen, Prinz Luitpold, das Ansehen quasi in die Wiege gelegt wurde, an Sie die umgekehrte Frage: Haben Sie Ihre soziale Herkunft manchmal auch als Bürde empfunden?
Prinz Luitpold:
Sehr häufig sogar. Wenn Sie mit meinem Namen während der Studentenunruhen an einen kommunistischen Lehrer gerieten, so einen Typus mit grünem Pullover und rotem Schal, war die Königliche Hoheit nicht mehr so großartig. Oder an der Grenze zur DDR. Da schaut der Grenzer Ihren Pass ganz genau an und sagt: Fahren Sie mal an die Seite. Ich stand ständig auf der Seite. Stundenlang. Damit muss man leben, und ich will mich auch nicht beschweren. So ein Name wirkt nun mal in beide Richtungen: Hochachtung und Verachtung.
Roland Berger: Das habe ich auch erlebt, später, als mein Name dann bekannt war. Für manche wird man damit zum Unmenschen.
Prinz Luitpold: In meiner Familie galt deshalb immer der Grundsatz: Begegnet den Leuten nett und anständig, nie mit Dünkel. Das Gefühl, etwas Besseres zu sein, hat es nie gegeben. Familientradition heißt bei uns: Wir haben dem Volk zu dienen, nicht umgekehrt.

Es heißt, Adel verpflichtet. Ist das heute nur noch Floskel?
Prinz Luitpold:
Nein, das ist mehr als eine Floskel. Und ich glaube auch, darin unterscheidet sich wahrer von adoptiertem Adel. Von den Leuten, die sich schlecht aufführen. Adel definiert eine Tradition, sozusagen eine Verpflichtung und auch eine starke emotionale Bindung zu einem Land oder einer Region. Ein gewisses Maß an Bescheidenheit ist das Allerwichtigste dabei.

Nicht nur Adel verpflichtet, sondern auch Unternehmertum. Wozu eigentlich?
Roland Berger:
Der Unternehmer hat zunächst die Aufgabe, gute Produkte oder Dienstleistungen zu bestmöglichen Konditionen anzubieten und ein profitables Unternehmen zu führen. Ein Unternehmer schafft Wohlstand für die Gesellschaft, indem er Arbeitsplätze schafft. Er muss dafür sorgen, dass seine Kapitalgeber ordentlich entlohnt werden, sonst findet er nämlich keine mehr. Er muss sich zudem an unser Wertesystem halten: anständig bleiben, integer und loyal gegenüber Mitarbeitern, Geschäftspartnern und anderen Stakeholdern.

Dieses Bild hat zuletzt mächtig gelitten. Stichwort Finanzkrise, Dieselskandal und so fort. Was ist mit unseren Eliten los?
Prinz Luitpold:
Diese Skandale sind sehr beklagenswert. Aber sie stehen nicht für unsere Wirtschaft als solche. Wir haben in Deutschland mit der sozialen Marktwirtschaft einen Markstein für die Welt gelegt, für den es bis heute keine englische Übersetzung gibt. Das ist eine urdeutsche Errungenschaft. Der Gedanke der sozialen Marktwirtschaft, der die Verantwortung für andere Menschen impliziert, prägt das deutsche Unternehmertum, vor allem Familienunternehmen. Sie stehen für 75 Prozent der Arbeitsplätze im Land und denken nicht in Kategorien von Shareholder Value und kurzfristigem Gewinn. Wenn ein solches Unternehmen in eine Schieflage gerät und bei der Bank um Kredit nachfragt, verpfändet der Firmenchef auch sein Haus. Wehe, wenn diese Mittelstandsunternehmen wegen einer falschen Erbschaftsbesteuerung von Firmenvermögen in die Hände von Hedgefonds-Managern geraten. Dann gelten schnell andere Regeln, zum Nachteil der Arbeitnehmer.
Roland Berger: Es war grundsätzlich dumm zu glauben, man könne den amerikanischen Staat betrügen. Nun ging der Skandal ausgerechnet von einem Unternehmen aus, an dem das Land Niedersachsen 20 Prozent der Stimmrechte mit vielen Sonderrechten hält. Dabei geht es nicht um Schuldzuweisung. Aber die größten Gefahren für Anstandsverstöße bis hin zur Korruption gehen oft von Organisationen aus, die an der Grenze von staatlichen Wohltaten und privater Leistungsfähigkeit wirtschaften.

„Bier ist mein Kerngeschäft. Wir brauen in 15 Ländern unter Lizenz.“ – Prinz Luitpold

Prinz Luitpold, Sie sind mit der Porzellanmanufaktur Nymphenburg ein Vertreter der Old Economy …
Roland Berger:
Sehr Old Economy sogar.
Prinz Luitpold: Genau genommen, produzieren wir unser Porzellan heute noch wie im Gründungsjahr 1747.

Wer kauft heute noch einen Porzellanteller, in dem 250 Arbeitsstunden stecken und der 2.000 Euro oder mehr kostet?
Prinz Luitpold:
Zunächst einmal ist Bier mein Kerngeschäft. Wir brauen in 15 Ländern unter Lizenz, sogar in Indonesien und der Mongolei. Aber zu Ihrer Frage: Wir haben in Nymphenburg 70 Mitarbeiter, darunter Handwerker, die für das Erlernen ihrer Kunst zehn Jahre in die Lehre gingen. Wir sind mit unserer Porzellanmalerei seit ein paar Monaten auch als immaterielles Weltkulturerbe der Unesco anerkannt. Wir sind kein Massenhersteller, und es gibt glücklicherweise Menschen, die das honorieren. Am Anfang, wenn jemand zu Wohlstand kommt, gibt er sein Geld für Kleider, Uhren und Schmuck aus. Dann kommt das Auto. Danach das zweite Auto. Später wird ein Haus gekauft. Und dann laden sie Gäste an ihren Tisch, gedeckt mit Billiggeschirr aus dem Warenhaus. Ist das nicht peinlich? Im Übrigen geht es hier ja nicht ums Blümchengeschirr von Urgroßoma. Wir haben auch hochmodernes Design wie die Geschirrserie Lightscape von Ruth Gurvich. Ein weiteres wichtiges Bein sind limitierte Kunstwerke. Wir haben gerade erst eine Serie von Damien Hirst herausgebracht. Sie war in kürzester Zeit ausverkauft.

Haben Sie auch ein Stück gekauft, Herr Berger?
Roland Berger:
Nymphenburger Porzellan haben wir schon länger zu Hause …
Prinz Luitpold: … bestimmt noch immer viel zu wenig.
Roland Berger: … ja, mit Sicherheit, aber als Kunstsammler kaufe ich Werke von Damien Hirst lieber, um sie an die Wand zu hängen.

Lassen Sie uns über Bayern reden. Kanzlerin Angela Merkel hat in München Trudering mal gesagt: „Ich komme immer gerne nach Bayern, weil Sie ja abends um sechs Uhr schon längere Zeit gemütlich beim Bier sitzen und trotzdem das Bundesland mit der besten Wirtschaftsleistung sind. Ich weiß nicht, wie Sie das machen.“ Haben Sie eine Antwort, meine Herren?
Roland Berger:
Da ist Frau Merkel offenbar der bayerischen Tourismuswerbung zum Opfer gefallen. Die Realität ist eine andere. Die Landwirtschaft, die 1950 noch 25 Prozent unseres Bruttoinlandsproduktes ausmachte, beträgt nur noch gut ein Prozent. Unsere Industriepolitik hat uns groß gemacht. Die systematische Investition in Forschung, Entwicklung und Bildung. Wir haben in München heute zum Beispiel eine Biotechnologie-Industrie, die neben der in Mannheim eine der größten unserer Zeit ist. Kaum jemand sitzt um sechs Uhr beim Bier.

„Als Kind hatten wir alle sechs Wochen die Gestapo im Haus. So etwas vergisst man nie, wenn man die Angst der eigenen Eltern spürt.“ – Roland Berger

So wörtlich hat Frau Merkel das bestimmt auch nicht gemeint. Sie spielte damit wohl eher auf eine gewisse Gemütlichkeit an.
Prinz Luitpold:
Die ist hier in Bayern ganz sicher gegeben, weil die Menschen in unserem Land verwurzelt sind und sich wohlfühlen. Unser großes Glück besteht darin, dass wir nach dem Zweiten Weltkrieg auf der richtigen Seite aufgewachsen sind.
Roland Berger: Ja, wir durften jetzt gut 70 Jahre Frieden und Freiheit erleben. Dafür bin ich sehr dankbar, zumal ich mich noch gut an ganz andere Zeiten erinnern kann. Als Kind hatten wir alle sechs Wochen die Gestapo im Haus. Mein Vater wurde mehrfach verhaftet. So etwas vergisst man nie, wenn man die Angst der eigenen Eltern spürt. Das ist auch ein Grund, warum ich mit meiner Stiftung jedes Jahr einen Preis für Menschenwürde verleihe. An Personen, die sich weltweit für Freiheit, Toleranz und Menschenrechte einsetzen.

Prinz Luitpold, die Nazizeit war auch für Ihre Familie ein sehr dunkles Kapitel …
Prinz Luitpold:
Die Familienmitglieder wurden der Reihe nach eingefangen. Insbesondere nach dem Stauffenberg-Attentat, weil Kronprinz Rupprecht kurz davor mit der Familie Stauffenberg in Italien Kontakt hatte. Herzog Albrecht und seine Kinder wurden in Budapest verhaftet. Meine Mutter erwischten sie am Gardasee, mit Typhus. Und dann kamen alle im KZ zusammen. Weihnachten wollten sie trotzdem feiern. Da haben sie etwas gebastelt: Eine Krippe, die Herzog Franz von Bayern über die Festtage noch immer in Schloss Nymphenburg aufstellt, erinnert bis heute daran. „KZ Oranienburg, Weihnachten 1944, von Mama gemacht“, steht auf dem Karton, in dem er die Krippe aufbewahrt. Herzog Albrecht konnte nach dem KZ nie wieder etwas Gebratenes genießen, weil sie nebenan die Leichen der Gefangenen verbrannten. Er hatte einen lebenslangen Ekel.

Prinz Luitpold, wenn Sie auf europäische Nachbarländer schauen, wo die Königsfamilien bis heute in Amt und Würden sind, verspüren Sie da manchmal auch ein bisschen Sehnsucht? Schließlich hat ihre Familie das Land Bayern fast 740 Jahre regiert.
Prinz Luitpold:
738 Jahre lang, um genau zu sein. Das ist Rekord in Europa. Aber nein, wir stehen mit unserer Bundesrepublik doch sehr gut da. Grundsätzlich kann man sich allerdings schon fragen, ob eine Demokratie in der Form einer Monarchie oder einer Republik das bessere Staatssystem ist. Eine Monarchie ist, wenn Sie es mal aus der Sicht der Gewaltenteilung sehen, ein System, wo das Staatsoberhaupt außerhalb der Parteikontrolle liegt. Und das kann auch einer Demokratie durchaus guttun.
Roland Berger: Was natürlich auch sehr stark vom Ruf des Königshauses abhängt. Die Windsors scheinen mir in dieser Hinsicht alles richtig zu machen. Das englische Königshaus besitzt bis heute eine enorme Reputation und hat bisher noch jeden Skandal unbeschadet überstanden. Selbst den Tod von Lady Di. Marketingtechnisch verkaufen die Windsors ihr Land perfekt ...
Prinz Luitpold: … und sogar kostenlos. Die Fernsehrechte an den Übertragungen der königlichen Events bringen dem Staat mehr Geld ein, als das Königshaus den Staat kostet. Die Windsors arbeiten quasi gratis.

In Ihrer eigenen Familie ist Ludwig II. der Popstar unter den Wittelsbachern. Was denken Sie persönlich über seinen mysteriösen Tod im Starnberger See? War es Mord oder Selbstmord?
Prinz Luitpold:
Mord war es mit Sicherheit nicht. Das halte ich für ausgeschlossen. Ob es Selbstmord war oder ein Kreislaufversagen, kann heute keiner mehr feststellen. Wenn man nachliest, was nach seinem Tod alles mit ihm angestellt wurde, läuft es einem kalt den Buckel runter. Sein Kopf wurde aufgeschnitten, das Hirn herausgenommen und untersucht. Sein Herz liegt heute wie das aller bayerischen Herrscher der letzten 500 Jahre in Altötting. Nein, ich glaube nicht an Mord. In seiner Jugend war Ludwig II. ein exzellenter Schwimmer. Aber zu seinem Todeszeitpunkt wog er 140 Kilo, war untrainiert und das Wasser kalt. Kreislaufversagen erscheint mir am wahrscheinlichsten.

Die Zeit des Märchenkönigs ist lange vorbei. Trotzdem träumt noch heute fast jedes kleine Mädchen davon, einmal Prinzessin zu sein. Warum eigentlich?
Roland Berger:
Vielleicht ist es die Kunst und Kultur, mit denen sich die Könige über Jahrhunderte hinweg umgeben haben. Eine gewisse Pracht, die Mädchen wahrscheinlich anziehend finden. Auch die Märchen werden ihren Teil dazu beigetragen haben. Die Geschichte von Aschenputtel und das Leben von Sissi. Kinder haben ja viel Fantasie.

Prinz Luitpold, verraten Sie es uns: Was hat Ihre Frau gesagt, als Sie um ihre Hand angehalten haben?
Prinz Luitpold:
Na, was soll sie schon gesagt haben? „Ja“ hat sie gesagt.

Zur Person

Roland Berger

Roland Berger, Jahrgang 1937, machte sich 1967 mit seiner Unternehmensberatung in München selbstständig und wurde damit zu einem der gefragtesten Ansprechpartner der Republik – nicht nur in der Welt der Wirtschaft, sondern auch der Politik. Heute ist die Strategieberatung im Eigentum von rund 250 Partnern und zählt 2.700 Mitarbeiter. Berger selbst ist dem Unternehmen bis jetzt als Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats eng verbunden. Seine Stiftung, die er 2008 mit 50 Millionen Euro aus seinem Privatvermögen gründete, unterstützt begabte Kinder aus sozial benachteiligten Familien und vergibt jährlich den mit einer Million Euro dotierten Roland Berger Preis für Menschenwürde.

Zur Person

Prinz Luitpold

Luitpold Rupprecht Heinrich Prinz von Bayern, Jahrgang 1951, ist ein Urenkel von Ludwig III., dem letzten regierenden König von Bayern. Der studierte Jurist ist Inhaber der Porzellanmanufaktur Nymphenburg und der König Ludwig Schlossbrauerei Kaltenberg. Er exportiert sein Bier heute in 60 Länder weltweit und hat für 15 Länder Lizenzen vergeben, in denen das königliche Bier nach deutscher Brautradition hergestellt wird. Etwa in Indien, der Mongolei und Indonesien. Einmal im Jahr richtet Prinz Luitpold auf dem Gelände des Schlosses Kaltenberg das gleichnamige Ritterturnier aus – eine mittelalterlich-historisierende Stunt-Show, die regelmäßig von mehr als 80.000 Gästen besucht wird.